Historische Eingangshalle zu den kaiserlichen Gästegemächern
Der Viersäulensaal im Erdgeschoss des Kaiserhoftrakts ist weit mehr als eine historische Eingangshalle – er ist ein steinerner Zeuge der Verbundenheit der bayerischen Wittelsbacher mit den pfälzischen Wittelsbachern. Seine vier tragenden Säulen stützen nicht nur die prächtigen kaiserlichen Gästegemächer darüber, sondern symbolisieren heute die Verbindung zwischen der Pfalz und Bayern, die durch Krieg und Frieden geprägt wurde.
Dieser Raum wurde zwischen 1611 und 1619 während des ambitioniertesten Bauprogramms der Münchner Residenz unter Herzog Maximilian I. von Bayern errichtet. Er diente als funktionaler Zugang zu den exklusivsten Gästeappartements des gesamten Reiches – den legendären Steinzimmern im 1. Stock, die dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und seiner Gemahlin vorbehalten waren. Heute beherbergt de Viersäulensaal seit 1970 die Pfälzer Residenz Weinstube und verbindet damit auf einzigartige Weise seine historische Funktion als Empfangsraum mit der kulinarischen Tradition der vereinigten wittelsbachischen Territorien.
Ein Raum zwischen Geschichte und Gegenwart
Die Münchner Residenz erlitt im März und April 1944 katastrophale Schäden durch Bombenangriffe. Die Steinzimmer oberhalb des Viersäulensaales wurden vollständig zerstört. Doch die Schlösserverwaltung hatte vorausschauend gehandelt: Die meisten beweglichen Kunstwerke waren vor den Bombardierungen an sichere Orte ausgelagert worden.
Im Mai 1945 begann unter der Leitung von Professor Rudolf Esterer und Professor Otto Meitinger der monumentale Wiederaufbau.
Der Viersäulensaal im Erdgeschoss, der die Bombardierungen größtenteils überstanden hatte, wurde ebenfalls wiederaufgebaut. Das historische Schachbrettmuster des Fußbodens mit seinen nummerierten Einzelfliesen wurde sorgfältig wiederhergestellt, die hohen Gewölbe und die vier namensgebenden Säulen rekonstruiert. 1950 wurde zunächst in einem anderen Raum – dem Einsäulensaal – eine Weinstube eröffnet. 1970 zog die Pfälzer Weinstube aufgrund hoher Nachfrage in den größeren Viersäulensaal um.
Die Wahl, in diesem historischen Raum eine Pfälzer Weinstube zu etablieren, ist mehr als eine gastronomische Entscheidung – sie ist eine Hommage an die Wiedervereinigung von Bayern und Pfalz unter Kurfürst Karl Theodor 1777, nach 448 Jahren der Trennung seit dem Vertrag von Pavia 1329. Der Viersäulensaal ist damit ein Palimpsest der Geschichte: frühbarocke Säulen, Kriegszerstörung, Nachkriegsrekonstruktion und gegenwärtige Nutzung überlagern sich in einem Raum, der seit über 400 Jahren Menschen empfängt – einst als Schwelle zu den exklusivsten Gästegemächern Europas, heute als Ort der pfälzisch-bayerischen Gastfreundschaft.
